Auch Händler machen Preisfehler. Wer einen falschen Preis entdeckt, sollte sofort korrigieren, Bestellungen prüfen und rechtlich sauber reagieren. Wichtig ist die Frist: Eine Anfechtung muss unverzüglich erfolgen. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung.
Sofortmaßnahmen
- Preis sofort korrigieren oder Artikel offline nehmen.
- Betroffene Bestellungen und Zeiträume identifizieren.
- Dokumentieren: wann der Fehler entstand, wie er auftrat, wie du ihn bemerkt hast.
- Bestellungen noch nicht versenden, bis die Lage geklärt ist.
Nichtannahme statt Anfechtung
Hast du die Bestellung noch nicht angenommen, ist oft die einfachste Lösung, sie nicht anzunehmen und das dem Kunden mitzuteilen. Voraussetzung: Deine AGB und deine Bestätigungsmail stellen klar, dass die Eingangsbestätigung keine Annahme ist.
Anfechtung
Hast du angenommen, kann eine Anfechtung wegen Irrtums in Betracht kommen. Sie muss unverzüglich erfolgen und begründet werden. Ein reiner Kalkulationsfehler berechtigt grundsätzlich nicht. Der Kunde kann Anspruch auf Ersatz des Vertrauensschadens haben. Details unter Deine Rechte bei Preisfehlern.
AGB und Bestätigungsmails
Formuliere klar, wann der Vertrag zustande kommt, zum Beispiel erst mit Versandbestätigung. Die Eingangsbestätigung sollte ausdrücklich keine Annahme sein. Lass Formulierungen rechtlich prüfen.
Vorsorge
- Plausibilitätsgrenzen im Shop-System (Warnung bei Preisen weit unter Einkauf oder Vorpreis).
- Vier-Augen-Prinzip bei Preisimporten.
- Alarme für auffällig viele Bestellungen zu einem Artikel.
- Regeln für Rabatt- und Gutscheinkombinationen.
Kommunikation mit Kunden
Bleibe sachlich, entschuldige dich und erkläre den Fehler. Biete bei Bedarf ein Entgegenkommen an. Das kann Streit vermeiden und die Kundenbeziehung schützen. Die Kundensicht zeigt Preisfehler storniert?.
Checkliste: Preisimport absichern
- Plausibilitätsregeln definieren: Preis nicht unter Einkauf, nicht mehr als X Prozent unter dem Vortagspreis.
- Importdateien vor dem Livegang in einer Testumgebung prüfen.
- Vier-Augen-Prinzip bei großen Änderungen.
- Alarm bei auffälligem Bestellvolumen einrichten.
- Änderungen protokollieren, damit du den Zeitpunkt nachweisen kannst.
Muster für den AGB-Punkt Vertragsschluss
Formuliere klar, dass die Bestätigung des Bestelleingangs keine Annahme ist und der Vertrag erst durch Versand oder ausdrückliche Auftragsbestätigung zustande kommt. Lass die Formulierung rechtlich prüfen, weil Gerichte auf Verständlichkeit achten. Ergänze einen Hinweis auf Preis- und Druckfehler, der keine pauschale Haftung ausschließt, sondern auf die gesetzlichen Rechte verweist.
Was du dem Kunden anbieten kannst
Neben Stornierung gibt es Kulanzlösungen: ein Gutschein, ein Teilrabatt oder der Kauf zu einem angepassten Preis. Das kostet Geld, schützt aber Reputation und Bewertungen. Prüfe, was wirtschaftlich sinnvoll ist, und kommuniziere schnell.
Rechtsgrundlagen und Quellen
- § 119 BGB – Anfechtbarkeit wegen Irrtums
- § 242 BGB – Leistung nach Treu und Glauben
- § 355 BGB – Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen
Stand: 26.10.2026. Die allgemeine Einordnung steht in Deine Rechte bei Preisfehlern. Keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Muss ich einen Preisfehler liefern?
In der Regel nicht, wenn kein Vertrag besteht oder du wirksam anfichst. Es gibt Ausnahmen, daher im Zweifel rechtlich prüfen lassen.
Wie schnell muss ich anfechten?
Unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern nach Kenntnis des Fehlers.
Kann ich bei Marktplätzen anders vorgehen?
Marktplatz-Bedingungen können zusätzliche Regeln enthalten. Lies sie.
Darf ich Preisfehler in den AGB ausschließen?
Pauschale Haftungsausschlüsse sind schwierig. Besser ist eine klare Regelung zum Vertragsschluss. Lass sie rechtlich prüfen.
